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Der braune Kick – NEONAZI-FUSSBALLTURNIER IN GRABOW

PNN vom 01.06.2015

Neonazi-Aktivist Maik Eminger organisierte ein „Nationales Fußballturnier“. Dies sollte eigentlich in Kloster Lehnin stattfinden, wurde aber von der Polizei aufgelöst. Die Rechtsextremen wichen dann auf einen Platz nach Grabow, Emingers Wohnort, aus – und kickten für die szenebekannte „Gefangenenhilfe“.

Kloster-Lehnin/Grabow – Immer seltener gibt es das, weil Behörden und Gemeinden auf der Hut sind. Doch nun hat der Neonazi-Aktivist Maik Eminger am Wochenende erfolgreich in seinem Wohnort Grabow ein „Nationales Fußballturnier“ organisiert.

Ursprünglich hatte Eminger, dessen Bruder André Eminger Angeklagter im NSU-Prozess ist, das braune Fußballturnier in Göhlsdorf, einem Ortsteil von Kloster Lehnin, angemeldet. Doch zum Anstoß kam es nicht: Die Polizei Polizei löste das Turnier auf. Die Beamten nahmen die Personalien der Rechtsextremen auf und untersagten ihnen auf Geheiß der Stadt Kloster Lehnin – die Eigentümerin des Sportplatzes ist – den braunen Kick. Die einzige Zufahrtsstraße zu dem etwas abseits im Wald gelegenen Fußballplatz wurde abgesperrt. Daraufhin wichen die etwa 50 Rechtsextremen auf einen öffentlich zugänglichen Platz nach Grabow aus. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass es dort zu keinen Straftaten gekommen sei.


Screenshot: NPD Potsdam-Mittelmark/facebook.com

Motto „Solidaritäts-Fußballturnier der deutschen Jugend“
Offiziell veranstaltet wurde das Turnier unter dem Motto „Solidaritäts-Fußballturnier der deutschen Jugend“ vom Neonazi-Netzwerk „Gefangenenhilfe“. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, inhaftierte Neonazis zu unterstützen. Dazu hält sie Briefkontakt mit den Neonazi-Häftlingen und sammelt Gelder, um die Kosten der Straftäter und ihrer Familien zu decken, von Prozesskosten über Rechnungen bis hin zu den anfallenden Unterhaltskosten. Auch für den mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben sammelte das Netzwerk Spendengelder.

In Brandenburg erstmals öffentlich in Erscheinung getreten ist die „Gefangenenhilfe“ im Oktober vergangenen Jahres mit einer Kundgebung in Brandenburg/Havel. Maik Eminger fungierte als Hauptredner. Der Verfassungsschutz misst ihm auch über die Landesgrenze hinweg eine große Bedeutung in der Neonazi-Szene bei. Eminger baut derzeit Strukturen der rechtsextremen Splitterpartei „Der III. Weg“ in Brandenburg aus, im April wurde bereits ein Stützpunkt Potsdam-Mittelmark gegründet. Mit Pascal Stolle fand Eminger einen weiteren Mitstreiter: Bis vor Kurzem saß Stolle noch im Bad Belziger Stadtparlament – für die NPD. Dann aber wechselte er zum „III. Weg“ und gab seinen Parlamentssitz an André Schär weiter.

Im nächsten Jahr ein neues Turnier
Die sonst zerstrittene rechtsextreme Szene scheint durch die in Brandenburg maßgeblich von Eminger gesteuerte „Gefangenenhilfe“ einen gemeinsamen Nenner zu finden. An dem braunen Kick waren Vertreter aller rechtsextremen Parteien aus Brandenburg beteiligt: sowohl der Landesverband von Die Rechte, die NPD Potsdam-Mittelmark wie auch „Der III. Weg“. Sieger des Turniers mit neun Mannschaften wurde ein Team mit dem bezeichnenden Namen „Sturm Belzig“. 2016 wollen die Neonazis, wie sie ankündigten, erneut ein Turnier abhalten.

Im jüngsten Verfassungsschutzbericht heißt es, dass solche braunen Fußballturniere vor allem dazu dienten, neue Mitglieder zu gewinnen sowie Interessenten an feste Strukturen gebunden werden sollen. Das letzte derartige Turnier fand im Mai 2014 in Wünsdorf (Teltow-Fläming) statt.

Bad Belzig: NPD Stadtrat wechselt zum „Dritten Weg“


Presseservice Rathenow

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat der Bad Belziger Neonazi Pascal Stolle seinen Sitz in der Stadtverordnetenversammlung seiner mittelmärkischen Heimatstadt aufgegeben und war bereits im Januar 2015 zur neonazistischen Kleinpartei „Der dritte Weg“ gewechselt. Dies hatte er zumindest in einem öffentlichen Statement am 24. Februar 2015 im Socialmedia bekannt gegeben. Seinen Platz im Stadtparlament von Bad Belzig solle demnach künftig der Kreistagsabgeordnete André Schär (NPD) inne haben.

Von den „freien Kräften“, über die NPD zum „Dritten Weg“
Der 1977 geborene Stolle war erst im Zuge der Brandenburger Kommunalwahlen im vergangenen Jahr mit 385 Stimmen (2,7 %) in die Bad Belziger Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. Er trat damals auf der Liste der NPD an, bekräftigte in seinem Socialmedia-Statement vom 24. Februar 2015 aber niemals Mitglied dieser Partei gewesen zu sein. Eine Aussage die durchaus plausibel erscheint, da er seit Mitte der 2000er als Kopf der „freien Kräfte“ in Bad Belzig gilt, die wiederum über Jahre ein gutes Verhältnis zu parteifernen bzw. von der NPD enttäuschten Neonazis aus dem Nordwesten Brandenburgs pflegten. Vor seiner politischen Karriere im vergangenen Jahrzehnt war Stolle übrigens für mehrere Jahre in einer Justizvollzugsanstalt inhaftiert, weil er 1997 mit weiteren Gesinnungsgenossen Mitglieder einer Punk Band in Pritzwalk (Landkreis Prignitz) überfallen und brutal misshandelt hatte. Aus der Haft kam er allerdings ungeläutert zurück und setzte seinen „Kampf“, wie bereits im Jahr 2000 in einem Interview mit einem Szenemagazin angekündigt, seit spätestens 2003 im lokalen Belziger Kameradschaftsmilieu weiter fort. Nach einer kurzen politischen „Ruhephase“, die Stolle zwischenzeitlich u.a. für die Gründung einer Familie nutzte, fiel er erst seit zwei Jahren wieder als aktiver Neonazi auf. Seit September 2013 nahm er regelmäßig an NPD Kundgebungen in Bad Belzig teil und trat bei einer auch als Redner auf. Später ließ sich Stolle über eine Liste der Partei als Kandidat für die Bad Belziger Stadtverordnetenversammlung aufstellen und wurde während der Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 auch zum Abgeordneten gewählt. Doch bereits am Wahltag soll er gezeigt haben, dass er nicht wirklich reif für die parlamentarische Arbeit ist, indem er während einer „Wahlparty“ in Bad Belzig einen Fotografen attackiert haben soll. Auch sonst nahm Stolle seine Funktion als Abgeordneter zwar war, entfernte sich seit dem aber anscheinend ideologisch wieder von der NPD. Stattdessen trat er öffentlich immer mehr im Gefolge von Maik Eminger, dem mutmaßlich führenden Kopf der radikaleren „freien Kräfte“ im Landkreis Potsdam-Mittelmark, auf. Insbesondere bei Aktivitäten der neonazistischen Bewegung „Ein Licht für Deutschland“, deren Initiierung Eminger zugeschrieben wird, war Stolle immer wieder zugegen. Am 21. Februar 2015 hielt er während einer neonazistischen Kundgebung in Eisenhüttenstadt (Landkreis Oder-Spree), die hauptsächlich vom „dritten Weg“ beworben und von Maik Eminger angemeldet wurde, einen ersten Redebeitrag für die neonazistische Kleinpartei. Zumindest vermeldete dies der „dritte Weg“ in einer Pressemittelung. Letzte Woche bestätigte nun Pascal Stolle den Wechsel zu dieser neonazistischen Kleinpartei öffentlich. Damit ist der „dritte Weg“ jetzt auch real in Brandenburg präsent.

„Dritter Weg“ in Brandenburg?
Bisher fiel die vor allem in Süddeutschland präsente und dort gegründete Neonazikleinpartei „Der dritte Weg“ im Land Brandenburg lediglich durch Flugblattaktionen gegen die Unterbringung von Asylsuchenden auf. Am 25. Oktober 2015 beteiligte sich dann eine kleine Delegation dieser Partei an einer von der NPD angemeldeten Kundgebung für die neonazistische „Gefangenenhilfe“ in Brandenburg an der Havel. Ein sächsischer Funktionär des „dritten Weges“ hielt zudem einen Redebeitrag. Am 21. Februar 2015 folgte dann die bereits erwähnte Kundgebung in Eisenhüttenstadt, die de facto, aufgrund des dominanten Auftretens des „Dritten Weges“, als erste eigene Veranstaltung der Partei im Land Brandenburg gewertet werden kann. Der „Dritte Weg“ wurde übrigens bereits im September 2013 als Partei gegründet und ist seit dem um bundesweite Ausbreitung bemüht. Seine Programmatik ist betont „nationalrevolutionär“ und lehnt sich somit an den „antikapitalistischen“ und „sozialrevolutionären“ Flügel der NSDAP an. In einem „Zehn-Punkte-Programm“ fordert der „Dritte Weg“ u.a. die „Schaffung eines Deutschen Sozialismus, fernab von ausbeuterischem Kapitalismus“ und „gleichmacherischem Kommunismus“. Das sich dahinter aber auch nichts anderes als völkisch geprägter Nationalismus unter anderem Anstrich verbirgt, wird im Parteiprogrammpunkt „Umweltschutz ist Heimatschutz“ offensichtlich. Demnach geht es dem Dritten Weg vor allem um die „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes und die Förderung der Gesundheit“ oder im historischen Kontext gedeutet: um Volksgemeinschaft und Rassenhygiene. Des Weiteren werden im Parteiprogramm die Einführung der Todesstrafe und die „Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“ gefordert. Die Gründungserwägung des „Dritten Weges“ als Partei muss deshalb als taktisch interpretiert werden, um gegen staatliche Interventionen im Sinne eines Vereinsverbotes gewappnet zu sein. Auf letzt genannter Basis wurde nämlich erst im Juli 2014 das so genannte „Freie Netz Süd“, ein neonazistisches Netzwerk dem viele Funktionäre des „Dritten Weges“ zuvor angehörten, verboten.

Fazit
Wie erfolgversprechend das Wirken des „Dritten Weges“ indes in Brandenburg sein wird, bleib abzuwarten. In großen Teilen des Landes ist die NPD Platzhirsch der extremen Rechten. Lediglich im Nordosten Brandenburgs konnte sich die Partei „Die.Rechte“ bisher als ernsthafte Konkurrenz etablieren. Der „Dritte Weg“ will diesem Beispiel offenbar nun mindestens im Südwesten folgen. Und mit dem Pascal Stolle hat diese Partei auch einen lokalen Szenenkopf gewonnen.
In einem Brandenburger Parlament wird der „Dritte Weg“ jedoch damit nicht vertreten sein. Stolle will sein Stadtverordnetenmandat nämlich an einen anderen NPD Funktionär aus Bad Belzig abtreten. Fraglich ist damit allerdings aber auch, ob dem „Dritten Weg“ überhaupt an parlamentarischer Arbeit gelegen ist, oder ob diese Organisation den Parteienstatus nur benötigt, um militanten Neonazis eine Organisationsstruktur zu bieten.