Angriff in der Nacht: „Nicht Fußballrandale, sondern Rassismus“

MAZ vom 04.09.2019

Die Hintergründe der Prügelei am Wochenende in Bad Belzig sind noch nicht geklärt. Eines der Opfer schildert seine Erinnerungen. Ein MAZ-Leser untermauert die Darstellung.

Bei der Prügelei in der Nacht zum Sonntag am Fläming-Bahnhof und später auch in der Altstadt von Bad Belzig handelt es sich nicht um Fußballrandale, sondern um einen rassistisch motivierten Übergriff. Diese Auffassung vertritt Benjamin Stamer vom Infocafé „Der Winkel“. Das Opfer ist am rechten Auge verletzt worden und musste medizinisch behandelt werden. Einige Verdächtige, die der rechten Szene in Bad Belzig zuzurechnen seien, wären jetzt benannt und angezeigt worden, heißt es vom Belziger Forum, dem Träger der interkulturellen Begegnungsstätte.

Polizei prüft noch
Die Polizei hatte zunächst berichtet, dass es am Sonnabend gegen 23.30 Uhr eine Auseinandersetzung zwischen Fußballfans rivalisierender Bundesliga-Mannschaften gegeben habe. Dem sollen Streitigkeiten im Regionalexpress 7 vorausgegangen sein. „Konkrete Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv liegen bislang nicht vor“, teilte die Polizeidirektion auf MAZ-Nachfrage jetzt nochmals mit. Es werde jedoch in alle Richtungen geprüft.

„Wir waren gar nicht beim Fußball, sondern kamen aus Potsdam“, sagt Saed Oman. Der in Bad Belzig lebende Syrer ist der Geschädigte und schildert seine Erinnerungen an den Abend. Mit einem Freund sei er im Zug unterwegs gewesen. Als sie in Bad Belzig ausgestiegen waren, seien sie von zwei Mitreisenden – augenscheinlich Fußballfans – beleidigt, bedroht und attackiert worden. Drei eher ältere Männer hätten die Angreifer vorübergehend beschwichtigen können.

Zeugen schlugen Alarm
Zeugen hatte nahe dem Bahnhof das Geschehen beobachtet und die Polizei alarmiert. Derweil versuchten die Syrer, nach Hause ins Stadtzentrum zu kommen. Sie wurden verfolgt. Saed Oman zufolge waren die Verfolger bald zu dritt, hätten die Flüchtenden in der Stadtmitte gestellt und auf sie eingeschlagen. Anwohner zwischen Sandberger Platz und Infocafé „Der Winkel“ müssen diese Auseinandersetzung gegen 0 Uhr ebenfalls beobachtet haben. Ein MAZ-Leser berichtet, dass eine Frau die mutmaßlichen Angreifer aufgefordert hätte, „die Menschen in Ruhe zu lassen“. Zur Antwort hätte sie bekommen, dass dies keine Menschen seien.

Infocafé-Scheibe beschädigt
„In der gleichen Nacht wurde auch eine Bierflasche gegen ein Fenster des Infocafés geworfen. Es gibt Einschlagspuren, die Scheibe hat aber standgehalten, erklärt Benjamin Stamer. Ihm zufolge handelt es sich um die dritte Attacke in diesem Jahr. Über die Sachbeschädigung hat die Polizei ebenfalls informiert. „Motivation und Hintergründe konnten bislang nicht geklärt werden. Konkrete Hinweise auf einen politischen Hintergrund gibt es jedoch nicht. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen“, heißt es im offiziellen Polizeibericht.


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