Infocafé „Der Winkel“ erneut attackiert

MAZ vom 11.02.2019

Ein Böllerwurf in der Nacht, rechtsextreme Sticker an Hauswänden und Türen: die soziale Einrichtung „Der Winkel“ in Bad Belzig ist erneut Ziel eines offensichtlich politisch motivierten Angriffs geworden.

Unbekannte haben in der Nacht zu Samstag einen Anschlag auf das Infocafé „Der Winkel“ in der Bad Belziger Innenstadt verübt. Dabei wurde ein Böller gezündet und das Gebäude, in dem die soziale Einrichtung logiert, mit Stickern beklebt.

Vieles deutet darauf hin, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt. So seien die Aufkleber der rechten Szene zuzuordnen, heißt es aus dem Umfeld der Einrichtung.

Kritik an zunehmenden Angriffen
Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang war telefonisch bislang nicht erreichbar. Zudem blieb eine MAZ-Anfrage zum Fall von der Fachbereichsleiterin der äußeren Verwaltung Petra Isa Tersch unbeantwortet.

Benjamin Stamer engagiert sich seit Jahren beim selbst ernannten Infozentrum für Toleranz, gegen Rechtsextremismus und Gewalt. Der 28-Jährige beklagt, dass das Gebäude ein fortwährendes Ziel für Angriffe mit rechtem Hintergrund sei. Davon wolle er sich aber nicht einschüchtern lassen und weitermachen, äußerte Stamer.

„Ich habe den Eindruck, dass sich eine neue Akzeptanz für die Rechten in der Region gebildet hat“, kommentiert Stamer eine Anfrage der MAZ. Er erinnert er an Patrouillen so genannter Bürgerwehren, die im November durch Bad Belzig Streife liefen.

„Eigentlich ist man fast gewohnt, dass am Wochenende das Telefon klingelt“, sagt er im Hinblick auf den Angriff. Der 28-Jährige betont weiter, dass im Info-Café bereits seit 2015 Sicherheitsglas verwendet wird. Damals warfen Unbekannte im Juli die Fensterscheibe mit einem Stein ein.

Engagement gegen Rechtsextremismus
Die Tat am Wochenende habe Stamer nicht überrascht. „Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, wie oft die Scheiben bereits zerstört wurden“, sagt er . Stamer äußert weiter, dass die Mitglieder des Bad Belziger Forums nicht der linksextremen Szene zuzuordnen seien.

„Wir sind nicht das radikale Pendant zur NPD. Wir versuchen ein Stück weit, Demokratie zu leben und ein Zeichen für Toleranz zu setzen“, kommentiert er auf MAZ-Anfrage. Auch deshalb sollen im April beim Info-Café Informationsveranstaltungen zum Rechtsextremismus und rechter Gewalt stattfinden. Über den genauen Zeitpunkt werde noch verhandelt.

Seit 20 Jahren aktiv
Steffen Weidner engagiert sich seit 20 Jahren beim Info-Café. Der Bad Belziger blickt auf die Scheibe und erinnert sich an mehrere Angriffe. So wurde bereits im Mai 2016 ein Böller auf die Einrichtung geworfen. Bis heute ist das Loch sichtbar, dass durch den Angriff entstand.

Doch es wurde bunt dekoriert und mit Herzen übermalt. So sollte ein Zeichen gegen Gewalt gesetzt werden. „Wir nehmen die negative Energie, drehen sie und verwenden sie gegen die Täter“, sagt Weidner weiter.

Er betont, dass der Böller dieses Mal nicht die volle Wirkung entfaltet habe. „Wir hatten Glück im Unglück“, kommentiert sein Freund Mathias Täge, der auf eine schnelle Aufklärung des Falls hofft. Nach dem Angriff dauern die weiteren Ermittlungen des Staatsschutzes an.


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