Verurteilter Totschläger bei Bramm-Pegida

Maz vom 01.09.2014

Die erste Montags-Demonstration der Pegida-Trittbrettfahrer „Bramm“ in der Brandenburger Innenstadt war durchsetzt von rechtsradikalen Szenegrößen, Neonazis und NPD-Politikern aus der Region. Sogar ein verurteilter Totschläger nahm an der Veranstaltung teil: Sascha L. – und er handelte sich direkt neuen Ärger ein.

Brandenburg an der Havel. Eines ist deutlich geworden beim Aufmarsch der Gruppe, die sich Bramm-Pegida nennt: Aus der Mitte der Gesellschaft kommen viele der rund 170 Teilnehmer nicht, die am Montagabend vom Neustadt Markt zum Trauerberg gezogen sind. „Vom rechten Rand von außerhalb“, fasste Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) ihren Eindruck zusammen. Szenekundige Beamte hätten unter den Teilnehmern Personen festgestellt, die der rechtsextremen Szene aus Westbrandenburg zuzuordnen sind, bestätigte gestern Polizeisprecher Heiko Schmidt.

Aus mehreren zuverlässigen Quellen war zu erfahren, dass Rechtsextreme einen beträchtlichen Teil der Demonstranten ausmachten. Geschätzt wird deren Zahl auf etwa 50. Größere Gruppen von Neonazis sollen dabei aus der Stadt Brandenburg an der Havel, dem Havelland, Potsdam, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming und Ostprignitz-Ruppin kommen.

Außer den Republikanern um Landeschef Heiko Müller, marschierten mehrere NPD-Würdenträger mit, darunter der Rathenower Kreistagsabgeordnete und Stadtverordnete Michel Müller sowie die Bad Belziger Stadtverordneten André Schär und Pascal Stolle. Einer der Ordner wird den „Freien Kräfte Brandenburg/Havel“ zugeordnet.

Die Brandenburger AfD-Stadtverordneten, die sich von „Bramm-Pegida“ distanziert hatten, blieben dem Protest fern. Dagegen nahm Norman Wollenzien teil. Er ist im Vorstand der AfD Havelland und hielt ein Schild hoch mit der Aufschrift: „Antirassismus, Weltoffenheit, Vielfalt sind Kennwörter für weißen Genozid – Europa den Europäern“.

Nach unbestätigten, aber gesicherten Informationen ermittelt die Polizei gegen Sascha L. (39), der aus Damsdorf stammt und in Berlin leben soll. Er hatte während der Demonstration den rechten Arm zum „Kühnengruß“, einer Abwandlung des verbotenen Hitlergrußes, erhoben, benannt nach Michael Kühnen, einem 1991 an Aids gestorbenen Anführer der Neonazibewegung in der alten BRD.

Sascha L. hatte am 15. Februar 1996 den Brandenburger Punk Sven Beuter (23) totgeschlagen und daher eine siebeneinhalbjährige Haftstrafe wegen Totschlags verbüßt. Noch immer posiert er auf Facebook in Polizeiuniform.