Mahnende Worte

Maz vom 04.05.2013

Erinnerung an kampflose Übergabe von Belzig an die Rote Armee und Befreiung des KZ Roederhof

BAD BELZIG – „Ich bin beeindruckt davon, wie die Jugend das Vermächtnis der älteren Generation übernimmt“, sagte Max Grazelie gerührt. Schon zum fünften Mal ist der Franzose zu Besuch an jenem Ort gewesen, an dem seine Mutter als Häftling während des Zweiten Weltkrieges die schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens machte.

Im Grünen Grund ist gestern Nachmittag an die von Pfarrer Erich Tschetschog und Lehrer Artur Krause organisierte kampflose Übergabe der Kur- und Kreisstadt an die Rote Armee sowie die Befreiung von noch 72 Insassen im KZ-Außenlager Roederhof am 3. Mai 1945 erinnert worden. Mehr als 100 Teilnehmer wurden gezählt, wobei Bürgermeisterin Hannelore Klabunde (parteilos) den Ehrenbürger Gerhard Dorbritz entschuldigt hat. Er fehlte krankheitsbedingt.

Seine Publikationen zu diesem dunklen Kapitel der Heimtgeschichte sollten Pflichtlektüre werden, forderte Ines-Angelika Lübbe. Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Potsdam-Mittelmark versuchte das unvorstellbare Leid, das vor allem Frauen am Rand der Kur- und Kreisstadt geschehen ist, doch in Worte zu fassen. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr Bürger davor verneigen, dass noch mehr junge Menschen den Respekt davor erlernen.“

Dass die Faschisten in seiner Heimat in den vergangenen 20 Jahren wieder salonfähig geworden sind, bedauert Gianfranco Ceccanei. Der in Berlin lebende Italiener hat angekündigt, demnächst über das Schicksal seinerzeit in Belzig internierter Landsleute zu veröffentlichen.

„Die Toten mahnen noch immer“, steht schließlich auf dem Gedenkstein für Belaid Baylal. Der marokkanische Asylbewerber war vor 20 Jahren das Opfer eines rassistischen Überfalls geworden, dessen Folgen er später erlegen ist. Für ihn sind – erstmals im Rahmen dieser Feierlichkeiten – Blumen im Ehrenhain an der Lübnitzr Straße niedergelegt worden.

Der Vortrag des Gedichtes „Stilles Gedenken“ (von Katharina Dahms) durch Finn Freitag aus der Geschwister-Scholl-Grundschule und die Lieder des Chores aus dem Fläming-Gymnasium rahmten die Veranstaltung würdig.