NPD-Kundgebungen an drei Orten

Maz vom 25.03.2013

Sexuelle Belästigung einer 16-Jährigen im Bus nach Niemegk war Anlass für spontane Aktion

BAD BELZIG/NIEMEGK – Eine sogenannte Wandermahnwache hat der NPD-Kreisverband Havel-Nuthe am Sonnabendvormittag in drei Orten abgehalten. In der Straße der Einheit in Bad Belzig, am Marktplatz in Niemegk und zum Abschluss im Zentrum von Beelitz haben Demonstranten die Abschiebung krimineller Ausländer gefordert.

Anlass war unter anderem ein Vorfall am Abend des 12. März. Im Linienbus von Bad Belzig nach Niemegk soll ein gebürtiger Inder eine 16-Jährige belästigt, begrabscht und sexuelle Handlungen an sich vorgenommen haben. Zwei Frauen kümmerten sich noch während der Fahrt um das Opfer. Unterdessen hatten Beamte des Polizeireviers Bad Belzig den 33-Jährigen kurz danach in Preußnitz festgenommen, wohin er zurückgekehrt war. Der Mann ist polizeibekannt, in Potsdam-Mittelmark gemeldet. Ein Alkoholtest hatte damals 2,59 Promille ergeben. Nach der Vernehmung, in der sich der Beschuldigte nicht zur Tat eingelassen habe, musste er auf Weisung der Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß gesetzt werden, teilte die Polizeidirektion West mit (MAZ berichtete).

Bei den Kundgebungen am Wochenende waren Beamte mit einem Großaufgebot vertreten. Einsatzkräfte aus Brandenburg/Havel, Bad Belzig und Beelitz begleiteten die Mitwirkenden von Ort zu Ort. Nach Einschätzung eines Sprechers seien die Kundgebungen „ohne besondere Vorkommnisse“ verlaufen. Die Teilnehmerzahl ist auf MAZ-Nachfrage insgesamt mit 15 bis 20 beziffert worden.

Angemeldet worden war die Aktion vom NPD-Kreisverband Havel-Nuthe, der etwa 50 Mitglieder haben soll. Dessen Vorsitzender, Michel Müller aus Rathenow, ergriff jeweils kurz das Wort. Das Dutzend seiner Mitstreiter trug Transparente und verteilte Flugblätter an Passanten. Ausdrücklich bedankte sich der Funktionär „für die Unterstützung aus Bad Belzig“.

Der Aufmarsch zu dem Anlass kommt nicht von ungefähr. Schon vor Jahresfrist hatte Frauke Postel gewarnt, dass sich rechtsextreme Parteien mit populären Parolen in Szene setzen werden. Angesichts der bevorstehenden Urnengänge zum Deutschen Bundestag im Herbst sowie zum Landtag Brandenburg und Kommunalparlamenten 2014 – noch dazu mit Erstwählern ab 16 Jahren – sei mit verstärkten Aktivitäten auf dem Lande zu rechnen, lautete die Prognose der Expertin vom Mobilen Beratungsteam Tolerantes Brandenburg.

*

*
Heft der Amadeu Antonio Stiftung:
„Keine Chance für Neonazis: Warum die Auseinandersetzung um sexuellen Missbrauch nicht der NPD überlassen werden darf“

Download