Archiv für August 2012

„Das hat’s bei uns nicht gegeben!“ – Ausstellung zu Antisemitismus in der DDR

Vom 07. 09. bis 28.09.2012 ist im Foyer der Steintherme Bad Belzig die Ausstellung „Das hat’s bei uns nicht gegeben! – Antisemitismus in der DDR“ zu sehen.
Die Eröffnung findet am 07.09.12 um 16.00 Uhr statt. Flyer

Warum diese Ausstellung?
Oft wird darüber diskutiert, woher der Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern kommt. Erklärungen suchen Politik und Wissenschaft meist in sozialen Kontexten. Außer Acht gelassen wird jedoch häufig ein anderer Aspekt: Auch der Osten Deutschlands war Teil des nationalsozialistischen Täterlandes. Somit hatte sich auch die DDR mit diesem Erbe auseinander zu setzen. Der Staat aber erklärte die Bevölkerung zu einem Volk von Antifaschisten. In den Familien oder Gemeinden fand in der Regel keine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit statt. So blieb der Bodensatz des Antisemitismus unangetastet. Bis heute hält sich der Mythos, es hätte in der DDR keinen Antisemitismus gegeben“

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Landkreis verweigert traumatisiertem Opfer rechter Gewalt den Auszug aus dem Heim in Bad Belzig

Bad Belzig – In einem Offenen Brief an die Behörden im Landkreis Potsdam-Mittelmark klagt die Opferperspektive das Verhalten der Behörden gegenüber dem Flüchtling William K. als menschenunwürdig an.

„Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wenden uns mit diesem Brief an die Öffentlichkeit und an die Verantwortlichen in der Stadt Bad Belzig, weil wir das Vorgehen der Verwaltung des Landkreis Potsdam-Mittelmark gegenüber dem Flüchtling William K. als menschenunwürdig erachten. Wir fordern die Verwaltung des Landkreises auf, dem Antrag Herrn K.s auf Auszug aus dem Flüchtlingsheim stattzugeben und die Leistungskürzungen zurück zunehmen.

William K. lebt seit April 2008 in dem Flüchtlingsheim in Bad Belzig, derzeit mit einer Duldung. Seit Dezember 2011 wurde er zweimal Opfer rechter Angriffe. Seitdem leidet er unter den psychischen Folgen dieser Attacken. Herr K. befindet sich aufgrund seiner Traumatisierung durch die Angriffe in therapeutischer Behandlung. Allerdings ist es ihm nicht möglich, in dem überfüllten Flüchtlingsheim die dringend benötigte Ruhe zur Genesung zu finden. Im April dieses Jahres stellte er mit Unterstützung der Opferperspektive e.V. einen Antrag, um aus dem Wohnheim in eine private Wohnung umziehen zu können. Anfang Juli, nach fast drei Monaten Bearbeitungszeit, lehnte der Landkreis diesen Antrag ab. Diese Verweigerung der Verwaltung Herrn K.s Umzug zu genehmigen, widerläuft einen Landkreisbeschluss. In diesem heißt es: Flüchtlingen soll ein möglichst schneller Auszug aus dem Wohnheim ermöglicht werden. Am 2. August 2012 erhielt er vom Sozialamt ein Bescheid über Kürzungen seiner monatlichen Leistungen auf 184 €. Für William K. führt dies zu einer weiteren Verschlimmerung seiner Lebensumstände. Diese Maßnahme ist unfassbar, vor dem Hintergrund, dass erst kürzlich das Verfassungsgericht Leistungskürzungen für AsylbewerberInnen als verfassungswidrig erklärte. Zukünftig sollen Asylsuchenden 336 € als Minimalbetrag zur Verfügung stehen.

Die Weigerungshaltung und der Kürzungswillen der verantwortlichen Stellen führen zu einer weiteren Zuspitzung der Notlage William K.s. Diese Missachtung des gesundheitlichen Zustands des Flüchtlings ist ein Skandal.

Wir als Opferperspektive sind entsetzt über das Ausländerbehörde. Nicht nur werden hier Handeln des Sozialamtes und der Beschlüsse des Landkreises und des Bundesverfassungsgerichts ad absurdum geführt, schlimmer noch wird wissentlich der gesundheitliche Zustand eines Opfers rassistischer Gewalt übergangen und missachtet.

Wir fordern den Landkreis erneut auf, Herrn K. den Auszug aus dem Heim zu ermöglichen sowie die unverzügliche Rücknahme der Leistungskürzungen. Wir zählen auf die Unterstützung durch Ihre Ämter.

Danke.

Potsdam, den 3. August 2012″

Informationen zu den Angriffen auf William K.
Seit mehreren Jahren engagiert sich William K. in Bad Belzig und setzt sich für eine tolerante und weltoffene Stadt ein. Er trainierte Jugendmannschaften in einem Belziger Fußballclub und unterstützt regelmäßig das Infocafé Der Winkel. Der erste rechte Angriff auf William K. ereignete sich im Rahmen seines dortigen Engagements. Nachdem zwei Männer am späten Nachmittag des 12. Dezember 2011 in dem Infocafe Der Winkel Gäste beschimpften und durch Herr K. der Räumlichkeiten verwiesen wurden, beleidigten sie ihn vor der Tür rassistisch und schlugen ihn mit einer Glasflasche an den Kopf. Der zweite Angriff ereignete sich am späten Abend des 22.03.2012. Herr K. war auf dem Weg in das Heim, als er in der Nähe des Schwimmbades rassistisch beleidigt und mit einer abgebrochenen Flasche mit dem Leben bedroht wurde.

Offener-Brief_Bad-Belzig.pdf