Vom Hohen Fläming aus werden sie eher auswärts aktiv, doch Experten warnen

Maz vom 17.02.2012

Neonazis spüren Widerstand

WIESENBURG – Im Hohen Fläming gibt es nach wie vor Neonazis. Wenn sie Aktivitäten vor Ort starten, stoßen sie jedoch auf ein breites Bürgerbündnis des Widerstandes. Das hat Götz Dieckmann eingeschätzt. Der in der Kur- und Kreisstadt ehrenamtlich tätige Koordinator gegen Rechtsextremismus und Gewalt meint freilich, dass dies kein Grund zur Entwarnung sei.

„Der Trend in der Szene geht dazu, auf dem Lande zu wohnen. Dann aber auswärts aktiv zu sein“, sagt Frauke Postel und erinnerte an die Brüder E., von denen einer im November des vergangenen Jahres in Grabow spektakulär festgenommen worden war. Er steht im Verdacht, die mutmaßliche Zwickauer Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ unterstützt zu haben.

Protagonisten aus der Kur- und Kreisstadt pflegten indes sogar internationale Kontakte, beispielsweise zur Dansk Front (Dänemark), berichtete die Mitarbeiterin des Mobilen Beratungsteams Tolerantes Brandenburg. Nach 20 Jahren in dessen Diensten hat sie einen geübten Blick auf die legalen und illegalen Entwicklungen am politisch rechten Rand in den Landkreisen Havelland und Potsdam-Mittelmark.

Nicht von ungefähr hatte der Landfrauenverband Brandenburg also am Mittwochabend sie als Referentin eingeladen. Dabei informierte die Expertin wegen des wiederum reichlich vorhandenen Bedarfs einmal mehr über Ideologie und Strategie einerseits sowie Symbole, Kleidung und andere Codes andererseits, die von Rechtsextremisten verwendet werden. „Die Zahl der Straftaten in diesem Sektor hat sich 2011 halbiert und längst sind nicht mehr Glatze und Stiefel die Erkennungsmerkmale“, erklärte Frauke Postel den zwei Dutzend Zuhörern.

Sie richtet mithin die Aufmerksamkeit auf die Aktivitäten des NPD-Kreisverbandes Havel-Nuthe, der in seinen vier Ortsverbänden (Rathenow, Nauen, Potsdam und Brandenburg/Havel) ihren Angaben zufolge um die 50 zahlende Mitglieder habe. Angesichts der bevorstehenden Urnengänge zum Landtag Brandenburg (2013) und zu den Kommunalparlamenten (2014) – noch dazu mit Erstwählern ab 16 Jahren – sei in Zukunft mit verstärkten Aktivitäten auf dem Lande zu rechnen, lautete ihre Prognose.

Agieren statt reagieren, heißt deshalb die Devise von Barbara Klembt (Die Linke). Die Bürgermeisterin der Gemeinde Wiesenburg/Mark konnte neben dem Bad Belziger Forum e.V. auf die vielen gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten nach dem Lokalen Aktionsplan verweisen. „Dort lautet das Motto: Wo wir nicht handeln, handeln andere“, sagte sie. Die demokratischen Kräfte dürften keine Lücke zulassen, sagte die Verwaltungschefin und rief schon jetzt zur qualifizierten Kandidatensuche auf.

Jeden mit seinen Anliegen erst zu nehmen und einzubeziehen, ist nicht minder das Credo von Marion Gante. „Dann wird aus unserer Dorfgesellschaft wieder eine -gemeinschaft“, wünscht sich die Reetzer Ortsvorsteherin. Dann, so hofft sie, findet braunes Gedankengut keinen Nährboden. (Von René Gaffron)