Archiv für Mai 2011

Oire Querfront

„Na ihr Freaks ! In Belzig tobt bald die Grauzone !“

OI Back in Town!

Am 7. Mai 2010 fand in der Diskothek „Flash“ in Belzig eine Veranstaltung unter dem Motto „OI Back in Town“ statt. Das Skinhead Konzert mit Gruppen aus dem gesamten Bundesgebiet wurde durch zwei jugendliche Skinheads aus Belzig organisiert. Wo ist das Problem, werdet ihr euch nun fragen? Die Bands „Iron Fist“ und „Mummy´s Darlings“ sind der rechten Szene zuzuordnen oder bezeichnen sich selbst als „rechtsoffen“. Gerade die Gruppe Iron Fist beteiligte sich an einem Sampler namens „reclaim the game“ mit eindeutig der Naziszene zugehörigen Bands. Ihre CDs werden ebenso vom größten deutschen neonazistischen Musikmagazin „Rock Nord“ beworben und vertrieben und auch Mamas Schatzis aus München haben keinerlei Berührungsängste zur Neonazi Szene. Regelmäßig spielen sie auf RAC (Rock against communsim) Konzerten mit eindeutig rechtsextremen Bands zusammen.


Die Band Iron Fist

Weiter heißt es auf dem Blog Oireszene:
16.10.2010: “Flash”/Belzig (Brandenburg): Eigentlich sollte da der zweite Teil der “Oi! Back in town“-Reihe zusammen mit den rechtsoffenen Grauzonenbands „Gerbenok“ und „Taktschlag“ stattfinden. Aus uns unbekannten Gründen fand das Konzert jedoch nicht statt..

Skinheads? Grauzone?

Die Skinheadszene bildete sich Ende der 60er in Großbritannien. Eines ihrer Markenzeichen war das Bewusstsein ein Teil der Arbeiterklasse zu sein. Schlägereien und exzessiver Alkoholkonsum gingen jedoch nicht mit Rassismus einher. Viele der Skinheads verstanden sich mit Einwanderern aus der Karibik. Man hörte Ska und Reggae. Eine Szene, die in ihren Ursprüngen also nicht mit Rechtsradikalen gemein hat. Nichtsdestotrotz übernahmen in England wie in Deutschland immer mehr Neonazis den Kleidungsstil. In Deutschland konnte innerhalb der letzten 10 Jahre vor allem die diffusunpolitische Grauzonenbewegung fußfassen. Es enstand eine neue Form der Toleranz gegenüber rechtsoffenen bis klar rechten KonzertbesucherInnen mit Thorshämmern, über RAC-Glatzen im stylischen 80er Jahre Gewand bis hin zu Thor Steinar tragenden, rechten Prolls. Der Übergang von „unpolitisch“, „patriotisch“ bis zu „nationalistisch“ ist fließend. In der Grauzone tummeln sich sowohl „Un- bzw. Apolitische“ Skinheads als auch Rechtsextreme, die somit die Gelegenheit haben neue Rekrutierungsfelder zu erschließen .

Und in Belzig….

ist die Verbrüderung schon längst vollzogen. Bereits 2007 jagten Punks, Skinheads und Neonazis alternative Jugendliche nach der Eröffnung des Seecafés. Es fallen Parolen wie „Rotfront verrecke“.Weiter kam es in Internetforen zu Gewaltaufrufen gegen vermeintliche Antifaschisten aus Belzig. Was mit Sternburgbier am Busbahnhof oder im Pogo begann, ist heute eine manifestierte Querfront, welche sich neben den Hass auf Antifaschisten auch aus einem irrationalen Hass auf Israel speist wie eindrucksvoll am Belziger Gymnasium gezeigt wurde.

Unpolitisch ist das alles schon lange nicht mehr und so brodelt unter dem Banner „Love Music- Hate Politics“ in Belzig der braune Sumpf.

Mehr zum Thema: http://oireszene.blogsport.de/

Solide gewachsen

Märkische Allgemeine – 24.05.2011

Thomas Wachs glaubt, dass eine langsame Versöhnung in Europa nun ihre Früchte trägt

Als im Jahr 2002 Edo Magnalardo der Stadt Treuenbrietzen, in deren Nähe im April 1945 – kurz vor Kriegsende – 127 seiner italienischen Landsleute durch Deutsche erschossen wurden, eine Partnerschaft angetragen hatte, war das ein großer Schritt der Versöhnung. Der Weg dazu ist mit einem gemeinsamen Gedenken an die Kriegsopfer aller Nationen freilich bereits vorher von Italienern und Deutschen aktiv beschritten worden. Durch diese bedächtige Annäherung über den Gräbern der Toten ist es möglich geworden, dass im vorigen Jahr in Magnalardos Heimatort Chiaravalle die Partnerschaft mit der Stadt Treuenbrietzen nach sechs Jahren der Vorarbeit offiziell besiegelt werden konnte.

Der nächste Woche nun geplante Gegenbesuch aus Italien ist ein weiterer Schritt der gelebten Partnerschaft. Selbstverständlich ist er allerdings auch in einem längst grenzloseren Europa nicht. Denn bis heute sind die genauen Umstände ungeklärt, unter denen deutsche Zivilisten und italienische Militärinternierte im April 1945 einen sinnlosen Tod fanden. Dass die Aufarbeitung dieser Ereignisse nun bereits von der Generation der Enkel betrieben wird, wie Schülerarbeiten in Italien und Treuenbrietzen zeigen, macht Mut, dass die Städtepartnerschaft auch in Zukunft aktiv gelebt wird

maz

In der Vergangenheit versuchten Neonazis und der NPD Kreisverband Havel-Nuthe immer wieder in Treuenbrietzen Fuß zu fassen und durch eine Mahnwache im Jahr 2009 unter dem Motto „1000 tote Seelen, Massenmord in Treuenbrietzen niemals vergessen! “ die Geschichte für sich umzuinterpretieren.

Mitte September 2010 verteilte Marcel Guse mit weiteren Neonazis die Brandenburger NPD-Propagandazeitung «Wahrheit für Brandenburg»(Quelle: NPD).

Der lange Arm der Stasi

Märkische Allgemeine – 30.04.2011


Akte über DVU-Mann Schuldt aufgetaucht / Sechs Fälle im Kreistag

BAD BELZIG – Der lange Arm der Stasi reicht bis ins Grab hinein: Der inzwischen verstorbene frühere Kreis- und Landtagsabgeordnete sowie brandenburgische Landeschef der rechtsextremistischen Deutschen Volksunion (DVU), Sigmar-Peter Schuldt, war offensichtlich Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes. Das geht aus dem vertraulichen Abschlussbericht der Kommission des Kreistages von Potsdam-Mittelmark zur Überprüfung von Abgeordneten auf Stasi-Tätigkeit hervor.

„Sechs Kreistagsabgeordnete haben ein positives Überprüfungsergebnis“, heißt es in dem dreiseitigen Papier. Zu den Mandatsträgern mit einer Stasi-Akte habe auch Sigmar-Peter Schuldt gehört, teilt Kommissionschef Lothar Koch (SPD) darin mit. Weitere Angaben macht der frühere Landrat und jetzige Vorsitzende des Kreistages nicht.

Unklar ist deshalb, in welcher Funktion Schuldt bei der Staatssicherheit gearbeitet hat und wie lange er auf der Gehaltsliste des Ost-Berliner Geheimdienstes stand.

Die Untersuchungskommission hat nach Aussagen von Koch die Unterlagen des Rechtsradikalen nicht weiter studiert. „Die Akte des Kreistagsabgeordneten Sigmar-Peter Schuldt wurde wegen seines zwischenzeitlichen Ablebens der Behörde zurückgegeben und inhaltlich nicht bewertet“, erklärte Lothar Koch in seinem Bericht. Diesen stellte er dem Kreistag im nicht öffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung vorgestern Abend in Bad Belzig vor.

Wie berichtet, war der DVU-Politiker Schuldt am 23. August 2009 verstorben. Es gibt keinen Nachrücker für ihn im Kreistag.

Laut Kochs Abschlussbericht sind neben dem verstorbenen DVU-Mann auch fünf der elf Mitglieder der Fraktion der Linken in den Akten des Ministeriums der Staatssicherheit geführt worden. Unter ihnen ist auch Fraktionschef Thomas Singer.

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